Machbarkeitsstudie Bachgaubahn – Zwischenbericht Vortrag durch das Büro TKK


Daten angezeigt aus Sitzung:  9. Sitzung des Planungs- und Verkehrssenates, 11.11.2020

Beratungsreihenfolge
Gremium Sitzung Sitzungsdatum ö / nö Beratungstyp TOP-Nr.SP-Nr.
Planungs- und Verkehrssenat 9. Sitzung des Planungs- und Verkehrssenates 11.11.2020 ö Beschließend 2

.Beschlussvorschlag

I.
  1. Der Zwischenbericht des Ingenieurbüros TKK zur Machbarkeitsstudie zur Reaktivierung der Bachgaubahn wird zur Kenntnis genommen (Anlage 1).
  2. Für die weitere, vertiefende Untersuchung im System Bahn soll von folgenden Voraussetzungen ausgegangen werden:
    - ganztägige getaktete Verbindung (HVZ:30 min / NVZ: 60 min)
    - keine Anbindung von Leider
  3. Für die weitere, vertiefende Untersuchung im System Bus soll von folgenden Voraussetzungen ausgegangen werden:
    - Linienführung ab Großostheim über die ehemalige Bahntrasse bis zum Schönbusch – Wailandtstraße – Großostheimer Straße – Aschaffenburg Innenstadt – ROB


II. Angaben zur Klimawirkung:
(bitte ankreuzen)

Bewertung -  jeweils Mehrung oder Minderung der Treibhausgase (THG)
Wenig klimarelevant
Teilweise klimarelevant
Sehr klimarelevant
[…X..]   keine weiteren Angaben erforderlich
[…..]   kurze Erläuterung in den Begründungen
[…..]  ausführlicher Erläuterung
in den Begründungen
Bewertungsschema nach KÖP (Klimaschutzmanagement in öffentlich Projekten)
 (Nationale Klimaschutz-Initiative  -  Klimabündnis / ifeu-Heidelberg / BMU)


III. Angaben zu den Kosten:
Durch den Vollzug dieses Beschlusses entstehen Kosten:
ja [   ]
nein [ x ]

Sofern Kosten entstehen:


Die Kosten sind im laufenden Haushaltsplan veranschlagt
ja [   ]
nein [   ]
Es entstehen Folgekosten
ja [   ]
nein [   ]
Häufigkeit der Folgekosten
einmalig
[  ]
wiederkehrend
[   ]

.Begründung / Sachverhalt zum Zeitpunkt der Sitzungseinladung.

Die Machbarkeitsstudie zur Reaktivierung der Bachgaubahn wurde zu Beginn des Jahres 2019 im Einvernehmen der Gebietskörperschaften Markt Großostheim, Landkreis Aschaffenburg und Stadt Aschaffenburg an das Ingenieurbüro TKK vergeben. Die Abstimmungstermine sind stets mit allen Auftraggebern durchgeführt worden und münden jetzt in dem vorliegenden Zwischenbericht (Anlage 1) und einem Zwischenfazit. Die Arbeitsbausteine A, B und D des Auftrags sind weitgehend abgeschlossen:

Bausteine
Inhalt
A
Vorbereitende Maßnahmen und Entwicklung eines fiktiven Fahrplans
B
Grundlagenermittlung und Potenzialanalyse mittels empirischer Erhebung
C

Entwicklung von zwei Umsetzungsszenarien sowie Akzeptanzabfrage
D
Ergänzungsuntersuchung Abschnitt Hafenbahn bis Leider Hafenbahnhof
Bild 1: Bearbeitungsstand


Der Arbeitsbaustein C setzt die Entscheidung voraus, welche Variante im System Bahn und im System Bus weiterverfolgt werden soll. Die Varianten werden vorgestellt und eine Empfehlung ausgesprochen. Erst nach Abschluss des Bausteins C kann dann die Aussage getroffen werden, ob eine Reaktivierung der Bachgaubahn die vom Freistaat Bayern erhobene Bedingung von 1.000 Reisenden-Kilometer pro Kilometer betriebener Strecke erfüllen kann.

System Bahn
Die Linienführung einer Bahnverbindung von Aschaffenburg nach Großostheim ist durch die vorhandene Schieneninfrastruktur im Aschaffenburger Stadtgebiet bis ins Gewerbegebiet Nilkheim-West vorgegeben. Von hier aus ist die in den 1990er Jahren stillgelegte Bahnstrecke entwidmet und zurückgebaut. Die frühere Trasse ist noch als Korridor bis zum Ortsanfang Großostheim erkennbar, im Anschluss ist die Trasse überbaut worden.

Für den Endhaltepunkt in Großostheim bestehen drei Möglichkeiten: Neben dem Endpunkt am nördlichen Ortsrand bestehen Möglichkeiten, Großostheim in westlicher oder östlicher Richtung zu umfahren.

Dem Entwurf eines fiktiven Fahrplans unterlagen folgende Bedingungen:
  • Haltepunkte
    Aschaffenburg, Hbf, Gleis 1
    Aschaffenburg Hochschule
    Aschaffenburg Süd
    Nilkheim Großostheimer Straße (neu)
    Nilkheim Industrie (neu)
    Großostheim (neu)
  • Betriebszeit 5:00 bis 0:00 Uhr
  • Takt: 30 min zur HVZ, 60 min zur NVZ

In der Anlage 2 sind die Tabellenfahrpläne des Beispielkonzepts aufgeführt. Hierin sind auch die Fahrten der Maintalbahn bis Aschaffenburg Südbahnhof aufgeführt.


Ergänzungsuntersuchung Abschnitt Hafenbahn bis Leider Hafenbahnhof
Gegenstand der Machbarkeitsstudie ist auch die Bedienung des Hafenbahnhofs in Leider, sowohl von Aschaffenburg Hauptbahnhof als auch von Großostheim aus. Dabei sollten zwei Schienenhaltepunkte im Hafengelände berücksichtigt werden. Eine direkte Verbindung von Großostheim nach Leider wäre nur durch den Neubau einer Verbindungskurve durch den Park Schönbusch realisierbar. Eine indirekte Verbindung kann durch das Flügeln erreicht werden. Dabei werden am Haltepunkt Nilkheim Großostheimer Straße 2 Triebwagen voneinander getrennt, von denen einer zum Hafenbahnhof und der andere zum Hauptbahnhof Aschaffenburg weiterfährt. Das Flügeln besitzt den Nachteil, dass sich die Fahrzeit für alle Fahrgäste um 2-3 Minuten verlängert.

Nach einem Abstimmungsgespräch mit der Bayernhafen GmbH kam zum Ausdruck, dass im Hafengelände kein Personenverkehr gewünscht ist, was sich auf folgenden Aspekten begründet:
  • Die im momentanen Umbau der Hafengleisanlagen geplante Technik ist nicht für die Anforderungen des Personenverkehrs geeignet.
  • Bau eines neuen Stellwerks
  • Sicherung der Fahrgäste vor dem Güterverkehr

Bei einem Schienenhaltepunkt im mittleren Bereich des Hafengeländes ergibt sich die Notwendigkeit eines barrierefreien Überführungsbauwerks über die Gleisharfe, um die Fahrgäste mit dem Stadtteil Leider zu verbinden.

Das Fahrgastpotenzial an den Hafenbahnhöfen ergibt sich fast ausschließlich aus Schülerverkehren. Dies spricht gegen eine ganztägliche Bedienung von Leider. Schülerverkehre werden sowohl vom Hauptbahnhof als auch aus Großostheim heute direkt mit dem Bus bedient. Die Verbindung Leider – Aschaffenburg wird durch die Linie 3 mit geringer Fahrzeit heute schon ermöglicht.

Es wird daher empfohlen, die Bedienung des Hafengeländes mit Personenverkehr für die weitere Untersuchung nicht mehr zu berücksichtigen. Auch vor dem Hintergrund, damit die Hauptstrecke Großostheim – Aschaffenburg zu stärken.


System Bus
Parallel zum System Bahn sollte auch die Einrichtung einer Schnellbuslinie untersucht werden. In Anbetracht der bestehenden Verkehrsdichte auf der Staatsstraße 3115 Großostheimer Straße liegt es nahe, dass nur durch eine weitgehend separate Buslinienführung Fahrzeitgewinne zu erzielen sind. In Bild 2 sind die untersuchten Varianten dargestellt und anschließend beschrieben.

Bild 2: Varianten der Linienführung Schnellbus


  1. Abschnitt: Aschaffenburg
Variante 1: über den Westring zum ROB
Variante 2: über das Zentrum zum ROB (bestehender Linienweg)
Variante 3: über den Ostring zum ROB

Hier bietet die Variante 2 den größten Vorteil, weil sie vorhandene Busspuren nutzt und viele Fahrgäste neben dem ROB auch das Zentrum von Aschaffenburg als Ziel besitzen und somit umsteigefrei ihr Ziel erreichen können.

  1. Abschnitt: Nilkheim bis Großostheim
Variante 1: Großostheimer Straße – Nilkheimer Bahnhofsstraße – Lierenweg
Variante 2a: Großostheimer Straße – Wailandtstraße – Feldweg parallel zur Bachgaubahntrasse – Bachgaubahntrasse
Variante 2b: Großostheimer Straße – Wailandtstraße – Schippnerstraße – Bachgaubahntrasse
Variante 3: Großostheimer Straße – St 3115 – Großostheim

Variante 1 erreicht nicht so gut das Fahrgastpotenzial und der Realisierung einer Bustrasse durch den Park Schönbusch muss sicher mit Skepsis begegnet werden. Die Varianten 2 erreichen die Fahrgastpotenziale am besten. Variante 2b muss jedoch verworfen werden, da eine Bustrasse sich nicht über den vorhandenen Geh- und Radweg zur Schippnerstraße realisieren lässt. Variante 3 ist die Bestandstrasse und nur empfehlenswert, wenn sich eine durchgängige Separation vom restlichen Verkehr möglich ist. Für diesen Abschnitt wird die Variante 2a empfohlen.

  1. Abschnitt: Großostheim
Variante 1: Endhaltestelle am nördlichen Marktrand von Großostheim
Variante 2: Nördlicher Rand – Babenhäuser Str. – Endhaltestelle (z. B. Schaafheimer Straße), wie Verlauf der Linie 55
Variante 3: Nördlicher Rand – Aschaffenburger Straße – Endhaltestelle (z. B. Schaafheimer Straße), wie Verlauf der Linie 53

Eine Empfehlung hierzu kann erst nach der detaillierten Nachfrageauswertung und bei der Bearbeitung des Betriebsszenario Schnellbus im Abschnitt C gegeben werden.

Für die Erstellung des Betriebskonzepts wird ein 30-min-Takt mindestens in der HVZ zu Grunde gelegt.


Fahrzeiten in den unterschiedlichen Systemen und Varianten
In Bild 3 sind die Eckdaten der jeweiligen Varianten in den o. g. Abschnitten für eine Schnellbusverbindung dargestellt. Dabei werden nicht alle Haltestellen des heutigen Linienwegs bedient.

Abschnitt Aschaffenburg

Variante 1
Variante 2
Variante 3
Fahrweg
ROB – Westring – Großostheimer Str.
ROB – Zentrum – Großostheimer Str.
ROB – Ostring - Großostheimer Str.
Länge
4,2 km
3,7 km
5,8 km
Fahrzeit
8 Min
6 Min
10 Min

Abschnitt Nilkheim bis Großostheim

Variante 1
Variante 2a
Variante 3
Fahrweg
Großostheimer Str. – Nilkheimer Bahnhofsstraße – Bachgaubahntrasse – Siedlerweg / Lierenweg
Großostheimer Str. – Wailandtstraße - Feldweg parallel zur Bachgaubahntrasse – Bachgaubahntrasse

Großostheimer Straße – St 3115 – Großostheim
Länge
5,5 km
6,2 km
5 km
Fahrzeit
7 Min
9 Min
7 Min

Abschnitt Großostheim

Variante 1
Variante 2
Variante 3
Fahrweg
Endhaltestelle am nördlichen Marktrand (Unterer Stockstädter Weg)
Schaafheimer Straße (Verlauf wie Linie 55)
Schaafheimer Straße (Verlauf wie Linie 53)
Länge
0 km
1 km
1 km
Fahrzeit
0 Min
2 Min
2 Min
Bild 3: Fahrzeitenermittlung der Busvarianten


Abschließend werden in Bild 4 die Fahrzeiten im heutigen Busbetrieb, im Bahnbetrieb und im Schnellbusbetrieb vergleichend gegenübergestellt. Im Schnellbusbetrieb werden dabei, wie vom Gutachter empfohlen, die Varianten 2 der jeweiligen Abschnitte gewählt.
Richtung
Busverbindung im Bestand
Bachgaubahn
Schnellbus


ohne
mit



Bedienung Hafenbahnhof Leider

AB  Großostheim
18-19 Min
15 Min
16-17 Min
17 Min
Großostheim  AB
21-24 Min
15 Min
16-17 Min
17 Min
Bild 4:        Fahrzeitvergleich zwischen Aschaffenburg Hbf / ROB und dem nördlichen Marktrand
Großostheim


Fazit
Im System Bahn soll die Variante ohne die Bedienung eines Hafenbahnhofs Leider weiterverfolgt werden. Hierdurch ließen sich die Systemvorteile der Bahn gegenüber straßengebundenen Verkehren besser nutzen.

Im System Bus soll für den Abschnitt Aschaffenburg die Variante 2 (Führung durch die Innenstadt) und für den Abschnitt Nilkheim bis Großostheim die Variante 2a (Führung über Wailandtstraße) weiterverfolgt werden.

Datenstand vom 11.11.2020 15:04 Uhr