Freihofsplatz - Mobilitätsstation - Grundsatzbeschlüsse


Daten angezeigt aus Sitzung:  10. Sitzung des Planungs- und Verkehrssenates, 06.11.2018

Beratungsreihenfolge
Gremium Sitzung Sitzungsdatum ö / nö Beratungstyp TOP-Nr.SP-Nr.
Planungs- und Verkehrssenat 10. Sitzung des Planungs- und Verkehrssenates 06.11.2018 ö Beschließend 7PVS/10/7/18

.Begründung / Sachverhalt zum Zeitpunkt der Sitzungseinladung.

Zur Geschichte und Bedeutung des Freihofsplatzes
Der Freihofsplatz: Im 16. Jahrhundert „Kornmarkt“, im frühen 19. Jahrhundert „Heumarkt“, seit 1871 „Freihofsplatz“, in der jüngeren Vergangenheit des 20. Jahrhunderts wurde er bis 1971 als Fischmarkt genutzt.
Der Platz hat aber derzeit keine Aufenthaltsqualität, entfaltet keine räumliche Wirkung, ist außerdem bautechnisch in einem schlechten und sich stets verschlechterndem Zustand.
Stadträumlich ist der Freihofsplatz eine durchaus bedeutende innerstädtische Platzanlage, die jedoch von einer Vielzahl von Nutzungsansprüchen überlagert wird: Da befindet sich eine von Bussen und Fahrgästen hochfrequentierte Bushaltestelle (12 Buslinien) mit ihren zwei Fahrgast-Warteständen, eine Vielzahl von Passanten geht auf dem schmalen Fußweg am Platz vorbei oder quert ihn, Pkw befahren die Freihofsgasse und den Freihofsplatz, um einen der fünf öffentlichen Stellplätze anzusteuern oder auch sonst grade verfügbare, wenngleich nicht zum Parken erlaubte Platzfläche zu besetzen (z.B. eine Feuerwehrzufahrt). An den Schutzgittern der den Platz begrenzenden Bäume werden Fahrräder angeschlossen. Eine Vielzahl von Schildern und Anzeigetafeln, ein Uhrenturm mit Werbung, eine Box für Streugut, der Briefkasten eines Postdienstleisters, ein Parkscheinautomat, ein Elektro-Verteilerkasten, eine Telefonstele und verschiedene Poller prägen den dringend sanierungsbedürftigen Platz, dessen Oberfläche sich aus Granitpflasterflächen und neueren Asphaltflecken in unterschiedlichster Form und Größe zusammensetzt. Der am nördlichen Ende platzierte und figürlich an den einstigen Fischmarkt erinnernde Brunnen geht in diesem „Wirrwarr“ ziemlich unter und hat keine Chance, dem Platz Aufenthaltsqualität zu verleihen.

Planungsvorgaben
Auch bereits beschlossene Planungen erkennen die Sanierungsbedürftigkeit des Freihofsplatzes. So lautet die Analyse im „Integrierten Stadtentwicklungskonzept“ für den zum Sanierungsgebiet I-4 gehörenden Platz:
„Der Freihofsplatz wird durch Flächen dominiert, die überwiegend dem fließenden und / oder ruhenden Verkehr vorbehalten sind. Die Fläche soll so umgestaltet werden, dass ein größtmöglicher Flächenanteil zukünftig Fußgängern vorbehalten wird, um die Aufenthaltsfläche zu vergrößern. Der Freihofsplatz ist als innerstädtische Freifläche für Außengastronomie geeignet, da er zum Einen in der Sonne liegt, und zum anderen qualitätvolle Ausblicke ermöglicht (Stiftskirche, Schönborner Hof).“
Die Sanierungsziele für den zum „Block 14“ des Sanierungsgebiet zählenden Freihofsplatz beabsichtigen eine Entwicklung des Platzes zur reinen Aufenthaltsfläche ohne Parken und eine  Umgestaltung des Platzraums unter Verwendung hochwertiger Materialien.
Auch das Stadtbodenkonzept, beschlossen im Jahr 2014, stuft den Freihofsplatz als „dringend sanierungsbedürftig“ ein. Konkrete Gestaltungsvorschläge für den Freihofsplatz sind im Stadtbodenkonzept nicht enthalten.


„Mobilitätsstation“

Mit dem Ziel einer Neuordnung und Neugestaltung des Freihofsplatzes wird die Errichtung einer „Mobilitätsstation“ auf dem Freihofsplatz vorgeschlagen. An Stelle der beiden Fahrgast-Wartestände und der dahinter angeordneten vier öffentlichen Pkw-Stellplätze soll ein Gebäude errichtet werden, das die Bushaltestelle mit überdachtem Wartebereich und Sitzgelegenheiten sowie ca. 70 Fahrradabstellplätze als Doppelstockparker, Ladestationen für Elektrofahrräder und (optional) ein behindertengerechtes WC in einem eingeschossigen, ca. 3,50m hohen Baukörper integriert. Bedauerlicherweise müssen dazu die vorhandenen fünf Bäume gefällt werden. Zwei Bäume können neu gepflanzt werden und das Gebäude soll ein begrüntes Dach (alternativ Photovoltaik) erhalten.
Die Mobilitätsstation ermöglicht den fahrradfahrenden Innenstadtbesuchern aus Kunden und Touristen erstmals in Aschaffenburg ein komfortables, witterungsgeschütztes und sicheres Unterbringen von Fahrrädern, bietet Schließfächer für Gepäck in unmittelbarer Nähe zur Fußgängerzone und zu vielen touristischen Zielen der Stadt Aschaffenburg. Ergänzt werden sollen die Fahrrad-Abstellmöglichkeiten um Ladestationen für Elektrofahrräder und um ein öffentliches, behindertengerechtes WC. Mit der Option eines behindertengerechten WCs kann / soll auch ein Pkw-Stellplatz für Behinderte erhalten bleiben.

Der geplante Baukörper der Mobilitätsstation überdeckt eine Fläche von ca. 120qm, bewirkt aber trotzdem, dass die zur Wermbachstraße orientierte Vorzone, die gleichermaßen für wartende Fahrgäste als auch für die den Gehweg nutzenden Passanten, großzügiger wird: der Baukörper rückt ca. 1m weiter von der Kante der Bushaltestelle ab als die derzeitigen Fahrgastunterstände. Mit den Aschaffenburger Verkehrsbetrieben ist die beabsichtigte Neugestaltung der Bushaltestelle bzw. des Wartebereichs bereits konzeptionell abgestimmt.

Positive Effekte und Optionen für den Freihofsplatz

Durch den Wegfall der vier öffentlichen Pkw-Stellplätze mitten auf dem Freihofsplatz wird trotz des Baukörpers der verfügbare Aufenthaltsbereich auf dem Platz deutlich größer. Mit dem Verzicht auf die Pkw-Stellplätze, ergibt sich insbesondere durch den Wegfall des ständigen Zu- und Abfahrens von Motorfahrzeugen eine Entwicklungschance für die Platzanlage (und auch für die angrenzende Gastronomie), große Aufenthaltsqualität und gestalterische Ruhe und Qualität zurück zu gewinnen. Auch der Brunnen bekäme den ihm gebührenden Raum und würde endlich auf dem Platz besser sicht- und wahrnehmbar.
In diesem Zusammenhang bietet sich auch die Option, die bisher baulich mit einer Balustrade vom Freihofsplatz abgetrennten, terrassenartig erhobenen Freischankflächen der angrenzenden Gastronomie zum Platz hin zu öffnen: Die Balustrade sollte in Abstimmung mit den Gastronomiebetrieben abgebrochen und durch eine zwischen Terrasse und Platz höhenmäßig vermittelnde Kombination aus Sitzstufen, Treppen und begrünten Hochbeeten ersetzt werden. Damit wird der Freihofsplatz räumlich aufgeweitet, bietet mehr Möglichkeiten zum Aufenthalt und zum Verweilen und verknüpft den Freihofsplatz besser mit den angrenzenden Nutzungen, die bei Bedarf auch Teile der Platzfläche für eine Ausweitung der Außengastronomie nutzen könnten.


Verkehrsbeziehungen und Anfahrbarkeit

Mit Ausnahme von Rettungsfahrzeugen werden Pkws nur noch die Freihofsgasse und die Fahrspur am nordwestlichen Rand des Freihofsplatzes, die der Andienung der hier angrenzenden Grundstücke dient (Zufahrt Tiefgarage), befahren können. Der Freihofsplatz selbst wird, abgesehen von einem Behindertenstellplatz, von motorisiertem Verkehr freigehalten.
Der Fahrradverkehr, der mit Einrichtung einer Mobilitätsstation zukünftig verstärkt den Freihofsplatz ansteuern wird, soll möglichst gebündelt und mit allen Fahrbeziehungen über die Freihofsgasse zum Freihofsplatz bzw. von ihm weggeführt werden. Der Hauptzugang der Mobilitätsstation befindet sich an ihrem südlichen Ende in unmittelbarer Nähe zur Freihofsgasse. Damit auch von Nordwesten (Landingstraße / Dalbergstraße) anfahrende sowie nach Südosten (Kreisel Löher-/Wermbachstraße) abfahrende Fahrradfahrer diese Wegebeziehung benutzen können, sollte in die bisherige Fahrspur der Wermbachstraße kurz vor dem „Zebrastreifen“ eine Fahrrad-Aufstellfläche als „Fahrradschleuse“ für linksabbiegende Fahrradfahrer eingerichtet werden. Dies könnte damit erreicht werden, indem die Pkw-Fahrspur kurz vorher auf die jetzige Busspur verschwenkt würde, sodass Busse und alle anderen Fahrzeuge auf einer gemeinsamen Fahrspur zum Kreisel geführt würden.
Die verkehrsplanerisch Maßnahmen für die Neuordnung der Verkehrsbeziehungen sollen im Rahmen der weiteren Entwurfsplanung noch präzisiert werden.Derzeit haben die Verkehrsbetriebe der Stadtwerke Aschaffenburg noch Bedenken gegen das Zusammenführen von Bus- und Pkw-Spur, weil die Busse von der Haltestelle Freihofsplatz durch das Verflechten der Verkehrsströme nicht mehr so zügig und ungehindert in Richtung Kreisel Löher-/ Wermbachstraße einfahren könnten. Allerdings ließe sich damit auch die seit Jahren von Seiten der Polizei kritisierte Einfahrt in den Kreisverkehr richtliniengerecht gestalten. Der Umbau des Freihofsplatzes und die Errichtung einer Mobilitätsstation begegnet aber keinen Bedenken.

Bezüglich der Bushaltestelle „Freihofsplatz“ stadteinwärts regen die Verkehrsbetriebe weiterhin an, diese zum Buskap umzubauen: Diese aktuell vorhandene Busbucht wird leider häufig von Pkw-Nutzern zum Halten / Kurzparken missbraucht, was die Anfahrbarkeit durch die Busse mitunter stark behindert und auch die Sicherheit für die Fahrgäste beim Ein- und Aussteigen beeinträchtigt. Auch hier bedarf es im Zuge der Entwurfsplanung noch weiterer Überlegungen und Abstimmungen.


Vorstellung und Diskussion im „Fahrradforum“

Am 28.09.2018 wurde die Idee zum Umbau des Freihofsplatzes mit Errichtung einer „Mobilitätsstation“ im „Fahrradforum“ vorgestellt und diskutiert. Die Planungsvorschläge stießen auf  breite Zustimmung aller Teilnehmer. Die Realisierung der Mobilitätsstation wurde im Fahrradforum einstimmig empfohlen.
Dabei wurde von verschiedener Seite begrüßt, dass die Planung den Erhalt des Behindertenstellplatzes ermöglicht, auch weil dies für die Akzeptanz der Fahrradabstellanlage als wichtig empfunden wird.
Auch der Einzelhandel befürwortet eine Realisierung des Konzepts und sieht in der erwarteten Attraktivitätssteigerung der Platzanlage einen positiven Impuls für die Innenstadt.


Voraussichtliche Kosten und Fördermittel

Nach einer vorläufigen Kostenvorschau ist für die Neuanlage des Platzes und den Bau der Mobilitätsstation mit folgenden Kosten, ohne Baunebenkosten zu rechnen:

Tiefbauarbeiten zur Neugestaltung des Freihofsplatzes in Naturstein
[ohne Beleuchtung, Möblierung und ohne die Option der Errichtung von Sitzstufen / Treppen an Stelle der Balustrade]
Voraussichtliche Gesamtkosten Tiefbau:                                        180.000,- € brutto

Voraussichtliche Kosten für Anpassungsarbeiten Wermbachstraße          70.000,- € brutto

Hochbauarbeiten zur Errichtung der „Mobiltätsstation“:
[mit 68 Fahrradabstellplätzen, Dachbegrünung und mit der Option eines WCs;
 ohne Ladestationen E-Bike]
Voraussichtliche Gesamtkosten Hochbau:                                        340.000,- € brutto
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Summe                                                                        590.000,- € brutto

In der „Bedarfsmitteilung zur Städtebauförderung“ der Stadt Aschaffenburg an die Regierung von Unterfranken ist der Freihofsplatz für die Kalenderjahre 2019 und 2020 mit jeweils 150.000,- € enthalten. Auf dieser Basis können entsprechende Förderanträge gestellt werden. Die Regierung von Unterfranken / Städtebauförderung hat das Konzept zur Neugestaltung des Freihofsplatzes (einschließlich Freihofsgasse) begrüßt und als städtebaulich sehr gelungen beurteilt. Aus dem Sanierungsprogramm „Aktive Zentren“ wurde eine Städtebauförderung in Höhe von 60% der zuwendungsfähigen Kosten in Aussicht gestellt. Die Städtebauförderung bezieht sich zunächst nur auf die Neugestaltung der Platzfläche, für die Herstellung der Fahrradabstellanlagen sind ggf. andere Förderprogramme einschlägig: Durch die Regierung von Unterfranken bzw. das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr können überdachte Fahrradabstellplätze mit bis zu 750,- € je Fahrradabstellplatz gefördert werden.

.Beschluss:

I.

1.        Der Stadtrat nimmt das Planungskonzept und den Bericht der Stadtverwaltung zum beabsichtigten Umbau, zur Neuordnung und Neugestaltung des Freihofsplatzes einschließlich der Errichtung einer „Mobilitätsstation“ zur Kenntnis (Anlage 4).

2.        Der Stadtrat befürwortet die Errichtung einer „Mobiltätsstation“ auf dem Freihofsplatz, die die Bushaltestelle mit überdachtem Wartebereich und Sitzgelegenheiten, ca. 70 Fahrradabstellplätze, Ladestationen für Elektrofahrräder und (optional) ein behindertengerechtes WC in einem Baukörper integriert.

3.        Der Stadtrat befürwortet die Neugestaltung des Freihofsplatzes unter der Beachtung der Sanierungsziele für das Sanierungsgebiet I-4 sowie der Gestaltprinzipien des „Stadtbodenkonzepts“.

4.        Der Stadtrat beauftragt die Stadtverwaltung, die Planungen für die Neugestaltung des Freihofsplatzes und die Errichtung einer „Mobilitätsstation“ so zu konkretisieren, dass die Planentwürfe in den Jahren 2019 / 2020 für die Beantragung von Fördermitteln verwendet werden können.

II. Angaben zu den Kosten:

Durch den Vollzug dieses Beschlusses entstehen Kosten:
ja [ X ]
nein [   ]

Sofern Kosten entstehen:


Die Kosten sind im laufenden Haushaltsplan veranschlagt
ja [   ]
nein [ X ]
Es entstehen Folgekosten
ja [X ]
nein [   ]
Häufigkeit der Folgekosten
einmalig
[  ]
wiederkehrend
[ X ]

Abstimmungsergebnis:
Dafür: 11, Dagegen: 5

Datenstand vom 22.03.2019 08:29 Uhr